Videogottesdienst vom 10.05. 11h | Predigttext | Pastor Alexy

Videogottesdienst vom 10.05. 11h | Predigttext | Pastor Alexy

hier der aktuelle Videogottesdienst: Videogottesdienst Kantate

sowie der Predigttext zum Mit-/Nachlesen:

2 Chr 5, 2-14
Predigt Cantate 10.5.2020
Georg Alexy

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herren Jesus Christus! (1. Kor 1,3)

Liebe Gemeinde!

Unser heutiger Predigttext beschreibt eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte des Voles Israel. Es geht um die Einweihung des salomonischen Tempels in Jerusalem. Dieser Tempel hatte schon vor seiner Einweihung eine Geschichte. Diese Geschichte beginnt in der Wüste, genauer auf der Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste aus der Gefangenschaft in Ägypten in das gelobte Land, in das Land Kanaan. Auf dem Berg Sinai hatte Mose von Gott die zwei Steintafeln mit den Geboten Gottes empfangen (2 Mose 24, 12-18; 31, 18; 34, 1-28). Die Tafeln wurden seitdem in einem hölzernen Kasten, der Bundeslade, aufbewahrt (2 Mose 25, 10-22). Diese Lade hatte ihren Ort zunächst in einem transportablen Heiligtum, das auf Hebräisch Ohel Moed (אֹהֶל מוֹעֵד) genannt wurde (2 Mose 27,21). Das bedeutet so viel wie Zelt der Begegnung. Damit ist die Begegnung mit Gott gemeint, der hier, in diesem transportablen Heiligtum, so heißt es im zweiten Buch Mose, seine Wohnung, auf Erden hatte (2 Mose 26). Die Lutherbibel übersetzt den hebräischen Namen dieses Heiligtums mit „Stiftshütte“, wir werden dem hier folgen. Nachdem das Volk Israel vierzig Jahre durch die Wüste gewandert war, wurden die Israeliten im Land Kanaan sesshaft. Die Stiftshütte mit der Bundeslade in ihr und den steinernen Gesetztestafeln in dieser blieb das zentrale Heiligtum des Volkes Israel, die Wohnung Gottes. Nur, jetzt, nach dem Ende der Wanderung, war es nicht mehr unbedingt nötig, dass dieses Heiligtum transportabel war. So keimte der Wunsch nach einem festeren, solideren Haus, einer dauerhafteren Wohnung Gottes, nach einem Tempel. Diesen Tempel baute schließlich König Salomo. Sieben Jahre dauerten die Bauarbeiten, dann war der Tempel fertig, bereit, eingeweiht zu werden, so lesen wir im ersten Buch der Könige (1 König 6, 38). Zu dem „Fest, das im siebten Monat ist“ (V. 3), wie es in unserem Predigttext heißt, versammelte sich ganz Israel beim König in Jerusalem, um den Tempel einzuweihen. Zu diesem Zweck wurde die Lade von ihrem bisherigen Aufbewahrungsort in der Stiftshütte an ihren neuen im Tempel gebracht. Davon hören wir in unserem Predigttext Folgendes. Ich lese unseren Text, wie er im zweiten Buch der Chronik im fünften Kapitel geschrieben steht:

„Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –, und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes“ (2 Chr 5, 2-14).

In unserem Text steckt so viel, dass ich mich für diese Predigt auf die Punkte beschränke, die mir am wichtigsten erscheinen. Wir erleben in unserem Text einen Gottesdienst mit. Nicht real, sondern als Beobachter aus der Ferne. Ich finde es faszinierend, wie es unserem Text gelingt, mit wenigen Worten lebendige Bilder vor meinem inneren Auge zu zeichnen. Ich sehe die Feier gleichsam vor mir. Viele Menschen sind zusammengekommen die „Ältesten“ (V. 2), die „Häupter der Stämme“ (V. 2), die „Fürsten der Sippen Israels“ (V. 2) und König Salomo (V. 3.6) gehören zu denen, die ausdrücklich genannt werden, doch worauf es letztlich ankommt, steht im sechsten Vers unseres Textes „die ganze Gemeinde Israel“ ist zusammengekommen, um den Tempel einzuweihen und Gott zu loben und ihm zu danken (V. 13), also einen Gottesdienst zu feiern. Ich sehe Priester und Leviten vor mir, die die Bundeslade aus der Stadt Jerusalem hinauf in den Tempel tragen. Ich sehe, wie mit der Lade die ganze Stiftshütte, als die alte Behausung der Lade, mit dieser hinaufgetragen wird und dazu all das „heilige Gerät“ also alle heiligen Gegenstände, die in der Stiftshütte aufbewahrt worden waren. Ich sehe, wie Gott unzählige Schafe und Rinder geopfert werden und freue mich, dass es diesen Brauch heute nicht mehr gibt. Ich sehe, wie die Bundeslade mit den Gesetzestafeln in ihr in den innersten Raum des Tempels, in das Allerheiligste, getragen wird, und wie sie dort unter den Flügeln von zwei Statuen, die Cherubim, also Engel, darstellen, abgesetzt wird.

Dann beginnt in unserem Text eine Szene, mit der der Gottesdienst zu den Einweihungsfeierlichkeiten des Tempels an seinen Höhepunkt kommt. Es werden drei Personen genannt, die außer dem König Salomo die einzigen Menschen sind, die unser Text individuell nennt. Es sind Asaf, Heman und Jedutun. Diese drei und ihre Söhne und Brüder, die bei Ihnen „östlich vom Altar“, wie es in unserem Text heißt (V. 12), stehen, sind, so sagt es unser Text, Sänger. Sie beginnen zu singen und begleiten sich dabei selbst mit Zimbeln, Psaltern und Harfen, also mit verschiedenen Musikinstrumenten. Dazu blasen hundertzwanzig Priester mit Trompeten. Bis an diese Stelle unseres Textes habe ich den Eindruck, von einem kunterbunten Volksfest zu lesen. Menschenmassen wuseln durcheinander. Der elfte Vers unseres Textes sagt, dass nicht einmal auf die Abteilungen der Priester geachtet worden sei. Also wurde sogar bei den Priestern auf die sonst übliche Ordnung verzichtet. Doch jetzt stellt sich auf einmal auf eine beinahe mystische Weise eine ganz eigene Ordnung wie von selbst ein. In unserem Text heißt es: „Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN“ (V. 13). So viele Menschen sind zum Lobe Gottes zusammengekommen, und jetzt durch die Musik werden die vielen zu einem. Die Verbindung, die durch die Musik geschieht, ist nicht nur eine Verbindung unter Menschen. Gott kommt zu seinem Volk. Der unendliche Gott kommt in die endliche Welt. Er kommt nicht so konkret, wie er später in der Person des Jesus von Nazareth in die Welt kommen wird. Aber er ist da! Unser Text spricht von der Anwesenheit Gottes im Tempel in Form einer Wolke: „Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes“ (V. 13f). Gott zieht in seinen Tempel ein.

Zwei Dinge sind mir an dieser Erzählung besonders wichtig. Das eine ist die Gemeinschaft. Nicht einige wenige Eingeweihte nehmen den Tempel in Betrieb. Alle sind zusammengekommen, das ganze Volk Israel, alle zusammen. Wir feiern heute wohl zum letzten Mal einen Gottesdienst auf diese ungewöhnliche Weise in Form eines Videos, ohne dass wir zum Gottesdienst in einer unserer Kirchen zusammenkommen. Ab der nächsten Woche treffen wir uns wohl wieder körperlich, um Gottesdienst zu feiern. Aber auch dann werden wir nur mit einer begrenzten Zahl von Menschen zusammenkommen können, und wir werden ein erhebliches Maß an hygienischen Vorkehrungsmaßnahmen treffen müssen. Wir befinden uns in einer schwierigen Zeit, und auch wenn jetzt wieder einiges von dem möglich wird, was bisher wegen der Coronapandemie unmöglich war, wird die Zeit noch eine ganze Weile eine schwierige bleiben. Jetzt tut es gut, von unserem Predigttext daran erinnert zu werden, dass wir nicht allein sind, sondern eine große Gemeinschaft bilden, dass wir eine Gemeinschaft sind, die ihren Ursprung im Volk Israel hat, von dem unser Predigttext uns ein Bild der Verbundenheit zeichnet, der Verbundenheit der Menschen  des Volkes Israel untereinander und der Verbundenheit Israels mit Gott.

Das zweite, das mir an unserem Text wichtig ist, ist die Musik. Musik und Gottesdienst gehören in unserem Text elementar zusammen. Unter dem Eindruck der Musik wird aus den vielen Stimmen der turbulenten Versammlung eine einzige Stimme. Im Klang der Musik zieht Gott in der Wolke in seinen Tempel ein. Auch bei den Gottesdiensten, die wir als Gemeinde feiern, gehört Musik elementar dazu. Das hat natürlich einen Grund. Musik erreicht unser Gemüt auf eine ganz andere Weise, als es Worte und Argumente tun. Nicht umsonst hat der schwedische Bischof und Friedensnobelpreisträger Nathan Söderblom 1929 die inzwischen berühmte Bezeichnung von Johann Sebastian Bach als fünften Evangelisten geprägt. Natürlich ist Bach kein Evangelist. Aber er hat der Botschaft der Evangelien und damit überhaupt der ganzen Bibel mit seiner Musik einen Zugang zum Menschen eröffnet, den es nur mit Worten so nie gäbe. Und das gilt selbstverständlich nicht allein für die Musik Johann Sebastian Bachs. Es gilt für die Musik an sich. Am allermeisten gilt es für Musik, die wir gemeinsam singen. So unglücklich es mich macht, dass es wegen der Infektionsgefahr in der Zeit, die kommt, schwer, ja oft wohl unmöglich, sein wird, gemeinsam zu singen, so glücklich werde ich bei dem Gedanken an den ersten Gottesdienst, in dem wir wieder zusammen singen können. Wir wissen nicht wann, aber dieser Gottesdienst wird kommen. Dafür wird Gott sorgen, denn er ist, wie es in unserem Text heißt, „gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“ (V. 13).

Amen

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