„Wie geht Frieden?“

„Wie geht Frieden?“

Es gibt Worte, bei denen staune ich immer wieder. Das Wort „Entwarnung“ ist ein solches. Dazu gehört in meiner Erinnerung auch ein Sirenenton: ein minutenlanger Dauerton. Für meine Mutter waren auch diese Töne beim Probealarm jedes Mal eine furchtbare Erinnerung – sie zitterte und wurde blass. Denn sie machte in diesen Minuten eine Zeitreise zurück in den 2. Weltkrieg. Das Kriegsende liegt in diesem Jahr 70 Jahre zurück. Die Zeitzeugen werden weniger. Aber viele, die damals Kinder waren, tragen die Erlebnisse mit sich herum. Und immer wieder kommt die Frage, warum lernen die Menschen nichts aus ihren Erfahrungen. Überall auf der Welt ist Krieg – und der Konflikt in der Ukraine ist beunruhigend. Was wird daraus? Kann wieder ein großer Krieg ausbrechen? Auch dieses Wort lässt mich staunen. Der Krieg scheint wie ein Raubtier zu sein, dass aus seinem Käfig kommt. Es ist jedoch so, dass Menschen Kriege führen. Und das können Menschen. Frieden ist offensichtlich schwieriger:

Der russische Kinderbuchautor Marschak beobachtete einmal sechs- bis siebenjährige Kinder beim Spiel. “Was spielt ihr?”, fragte er sie. “Wie spielen Krieg!” antworteten die Kinder. Darauf erklärte er ihnen: “Wie kann man nur Krieg spielen! Ihr wisst doch sicher, wie schlimm Krieg ist. Ihr solltet lieber Frieden spielen!”. “Das ist eine gute Idee.”, sagten die Kinder. Dann Schweigen, Beraten, Tuscheln, wieder Schweigen.
Da trat ein Kind vor fragte: “Großväterchen, wie geht Frieden?”.

Frieden muss geübt werden. Doch wer bringt es den Menschen bei? In der Bibel gibt es diese große Friedenshoffnung: „Denn vom Zionsberg wird Gott sein Wort ausgehen lassen. Er weist die Völker zurecht und schlichtet ihren Streit. Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk.“ (Jesaja 2)

Ein weites Lernfeld für uns Menschen. Doch ich traue auf den Lehrmeister. Sein Unterricht wird nicht vergeblich sein, wenn wir lernen wollen.

Pastor Michael Szelinski-Döring

Image credits: stratsan / www.sxc.hu

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