Gottesdienst – unsere geistliche Mitte?

Der Gottesdienst ist die Versammlung von Menschen, in der das Wort Gottes in Schriftlesung, Predigt und Abendmahl verkündigt wird und die Gemeinde in Gebeten, Liedern und Bekenntnissen antwortet. Elke Mutsch sprach mit Pastor Schmidt über die Bedeutung des Gottesdienstes.


Gottesdienste sind das Zentrum unseres kirchlichen Lebens. Doch   – ist der sonn-tägliche Kirchgang nicht einem punktu-ellen Gottesdienstbesuch, wie z. B. der Kirchennacht oder anderen besonderen Gottesdiensten, gewichen?

Ich denke, das kann man so allgemein nicht behaupten. Es gibt nach wie vor etwa 1 bis 2 Prozent der Gemeindeglieder, die regelmäßig am Sonntag den Gottesdienst besuchen. Diese Zahl ist in den letzten Jahrzehnten ziemlich konstant geblieben, meiner Meinung nach aber viel zu niedrig.  Um sie zu erhöhen, bieten Gemeinden wie auch unsere in der Tat verschiedene Gottesdienstformen an. Man lädt bestimmte Zielgruppen ein, um die Kirche mal voll zu kriegen oder versucht Ereignisse, Veränderungen, Neuerungen in der Gemeinde mit besonderen Festgottesdiensten attraktiv zu untermauern. Das sind dann solche, wo zum Beispiel anschließend zu einem Empfang mit Essen und Trinken eingeladen wird. Insofern ist das Gottesdienstangebot größer und vielfältiger geworden. Und es mag Leute geben, die darauf reagieren und nur noch oder überwiegend zu solchen Anlässen in die Kirche gehen. Aber der normale Sonntagsgottesdienst ist nach wie vor stabil und das soll auch so bleiben.

Was wird eigentlich mit dem „Dienen“ zum Ausdruck gebracht und wer dient wem, wenn wir von GottesDIENST sprechen?

Ich danke für diese Frage, weil meines Erachtens der Gedanke des „Dienens“ oder des „Dienstes“ beim sonntäglichen Kirchgang heutzutage sehr in den Hintergrund gerückt ist. Vielleicht auch zu Recht, denn wer dient schon gern. Und doch haben unsere Mütter und Väter den Kirchgang durchaus als einen festen Dienst in der Woche angesehen. Um die Herzen und Seelen für die vor ihnen liegenden Aufgaben rein zu halten und zu stärken, glaubten sie, vor Gott ihre Sünden bekennen zu müssen und sich durch eine neue Gnadenzusage durch den Pastor oder im Sakrament  erbauen

zu lassen sozusagen einen Dienst für Gott zu erbringen. Gleichzeitig liegt in dieser Vorstellung natürlich auch der Gedanke, dass Gott seinen Kindern ebenso einen Dienst erweist, indem er sie mit seinem Wort beschenkt und im Glauben stärkt. Mir persönlich ist der sicher etwas altmodische Gedanke des gegenseitigen Dienens zwischen Gott und den Gläubigen gar nicht so unsympathisch.

Wird der Gottesdienst noch als ein Zentrum in der Gemeinde empfunden?

Von den Zahlen her nicht.  Andere Veranstaltungen werden meist deutlich mehr besucht. Und ich habe schon die Sorge, dass immer mehr Gemeindeglieder glauben, das Leben in der Gemeinde würde sich auch ohne Gottesdienst entfalten können. Es gibt viele haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich sehr in der Gemeinde engagieren, aber selten am Sonntag in die Kirche gehen. So gesehen hat der Gottesdienst seine zentrale Rolle in der Gemeinde verloren. Und doch halte ich es für absolut notwendig, dass der Gottesdienst als Zentrum der Gemeinde angesehen und hochgehalten wird. Eine Gemeinde zerfällt in Einzelteile, wenn sich die Verantwortlichen nicht mehr regelmäßig um eine geistliche Mitte sammeln, sondern nur noch ihren Eigeninteressen folgen. Für die Atmosphäre und den Zusammenhalt der Menschen ist es ganz entscheidend, ob man sich um Gottes Wort sammelt und auch mal gemeinsam betet oder nicht.

Wird der Gottesdienst von dem Pastor oder der Pastorin gehalten, oder ist es nicht vielmehr so, dass der Gottesdienst von der ganzen Gemeinde gefeiert wird?

Selbstverständlich feiern alle gemeinsam Gottesdienst. Den Gedanken, dass der Pastor oder die Pastorin einer unbeteiligten Gemeinde vorturnt und letztlich alles von ihm oder von ihr abhängt, wie die Veranstaltung bei den „Zuschauern“ ankommt, halte ich für unerträglich. Gott sei dank sieht die Liturgie viele Möglichkeiten der Mitwirkung durch die Gemeinde vor. Bis hin zum Fürbittengebet gibt es dialogische Teile in der Gottesdienstordnung. Nur sind die vielleicht der Gemeinde nicht mehr so bekannt. Aber die ganze Gemeinde feiert zusammen Gottesdienst. In der evangelischen Kirche ist der Pastor Ausleger, Vorbeter, Moderator und gleichwertiges Gemeindeglied zugleich. Martin Luther sprach vom Priestertum aller Gläubigen.

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