Geistliches Wort

Der Oktober hat es in sich!

Große Eröffnung am 7. Oktober mit dem Erntedankfest, dann das große Finale – der  31. Oktober – Reformationstag, nun ein Feiertag in Kirche und Gesellschaft.
Das Ernte-Dank-Fest ist das selbstverständlichste Fest auf der Welt. Alle Kulturen feiern es auf ihre Weise. Schon Kinder verstehen es. Ein Fest, das durch den Leib geht und alle Sinne inspiriert. Wer kann sich dem Duft frisch gebackenen Brotes entziehen? Wer den Weintrauben widerstehen?
Man muss die Herbstblumenpracht einfach genießen und man erlebt geradezu sinnlich, dass Pommes mal echte Kartoffeln waren mit Erdkruste dran – frisch aus dem Garten. All unsere Lebensmittel und Mittel zum Leben kommen uns in den Sinn. Essen und Feiern, Produktion und Bereitung und die Gabe, einander den Tisch zu decken – auf  ihm liegen ja nicht nur Wurst, Käse, Marmelade und Honig, sondern auf dem Tisch stehen vielleicht  Kerzen und drum herum freundliche Gesichter – einander zugeneigt. Wir reichen uns die Gaben des Lebens, damit es für alle reicht.  „Der auch den Spatzen gibt zu essen, der hat uns Menschen nicht vergessen…“, so singen wir gern mit den Kindern. Das stimmt. Gott hat uns nicht vergessen. Aber: der Mensch droht seine Menschlichkeit zu vergessen! Jedes unterernährte, gar verhungernde Kind ist ein Affront, eine Beleidigung gegenüber dem biblischen Auftrag: Mensch zu sein. Erntedank – doch nicht so selbstverständlich? Unser ganzes Leben wird getragen von der Möglichkeit zur Veränderung, zu Wachstum und Reife:
„Dies Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht ein Gesundsein, sondern ein Gesundwerden, überhaupt nicht ein Wesen, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.“
Dieses Wort von Martin Luther möge uns durch den Oktober begleiten bis wir ihn mit dem Reformationsfest am 31. Oktober verabschieden. Vielleicht gelingt es uns, das unermüdliche Streben nach Gerechtigkeit aufzunehmen, weil Gott uns mit der Gabe der Menschlichkeit gesegnet hat.
Anke Theuerkorn

Was uns gut tut

Ruhe tut gut, den meisten von uns jedenfalls. Vor ein paar Tagen erzählte mir ein mir nahestehender Mensch, dass er nach getaner Arbeit am Feierabend am liebsten erst einmal einige Zeit allein, für sich, ist. Er möchte dann für diesen Moment keine Musik hören, kein Fernsehen schauen, nicht mit anderen reden, sondern in der Stille zu sich kommen, sich sammeln, die Hektik des Alltags hinter sich lassen, um so neue Kraft zu schöpfen.

Ich kann diesen Menschen verstehen. Auch mir tut Ruhe gut. Ab und zu innezuhalten, einen Schritt aus unserer oft so lauten, hektischen und schrillen Welt zurückzutreten, das hilft auch mir, mich wieder neu zu finden.

Anders als der Mensch, von dem ich gerade erzählt habe, bin ich dabei aber nicht gern allein. Die Ruhe, die mir am meisten Kraft gibt, ist die Ruhe, die ich mit anderen Menschen teilen kann. Das kann bei einem gemeinsamen Spaziergang am Strand sein, bei einem Gottesdienstbesuch oder bei einem Abendessen mit lieben Menschen.

In der Gemeinschaft mit anderen Menschen kann ich am besten zur Ruhe kommen und die Hektik des Alltags abstreifen und der sein, der ich wirklich bin.

Wenn das gelingt, dann kommt mir oft ein bekannter Satz aus dem Evangelium nach Matthäus in den Sinn.
Jesus sagt dort: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).

Diese Zeilen stehen für mich ganz im Zentrum unserer christlichen Religion, weil ich immer wieder selbst in meinem Leben erfahre, dass in ihnen eine tiefe Wahrheit steckt. In der Gemeinschaft mit anderen Menschen finde ich Ruhe und Geborgenheit. In der liebevollen Gemeinschaft wird Gott für mich besonders sichtbar, spürbar, erfahrbar.
Gemeinschaft tut gut!

Es grüßt Sie herzlich Ihr
Pastor Georg Alexy

 

Wie geht Beten?

Gibt es richtiges und falsches Beten?
In einem Film sah ich vor ein paar Jahren folgende Sequenz:
Die Mutter einer lebensgefährlich erkrankten jungen Frau sitzt im Andachtsraum der Klinik, der Lebensgefährte der Tochter kommt hinzu und sagt: „Uns bleibt nur noch beten.“ Worauf die Mutter den Anfang des Vaterunsers zitiert: „…dein Wille geschehe und so weiter, da sind wir machtlos.“
Der Lebensgefährt sagt: „So geht Beten nicht.“ „Wie denn?“  Und er antwortet flehentlich und fordernd: „Gott bitte hilf, dass sie genügend Kraft hat, diese Krankheit zu besiegen und wieder gesund zu werden!“

Wenn ich dieses Thema mit den Konfirmanden bespreche, dann gebe ich ihnen eine lange Liste mit Verben zur Auswahl und wir ermitteln dann die Favoriten. Danken und  Bitten stehen oft an der Spitze. Dass wir auch klagen, schreien, schimpfen und schweigen dürfen im Gespräch mit Gott, können sie sich erst vorstellen, wenn wir uns ein wenig mit Psalm-Versen beschäftigt haben.

Diese alten Gebete können uns ermutigen, ganz direkt und ohne Scheu mit Gott zu sprechen. Da spielt es keine Rolle, welches Thema uns auf den Nägeln brennt. Dank und Freude, Bitten und Hoffen, Klagen und Trauern, kein Gefühl unseres menschlichen Daseins ist Gott fremd. Und gerade deswegen dürfen wir auch alles sagen.  Beten kann der Notruf sein oder auch der überschwängliche Dank. Dazwischen ist alles möglich und alles richtig. Meine Beziehung zu Gott steht im Zentrum des Gebets.

Einmal sagte ein Konfirmand: „Beten ist ein stiller Moment, dann kann ich Gott hören.“(Es war übrigens einer der Unruhigsten in der Gruppe.)

Oder: Beten ist Atmen, ohne das wir nicht leben können: „Gott, der du schon alles weißt – was soll ich beten? Tief atme ich ein, lang atme ich aus und siehe: DU lächelst.“ (Kurt Marti)

Probieren Sie es einmal. Übrigens: Auch bei der Wahl des Ortes gibt es kein richtig oder falsch. Gott ist schließlich allgegenwärtig.

Ihre Pastorin Ulrike Witte

Atem holen

Mit Kopfschmerzen wurde er wach. Viele seiner Gedanken von gestern sind noch nicht abgelegt. Als wir uns begegnen, schaue ich in ein angespanntes Gesicht, die Augen müde, der Geist erschöpft. Bevor wir ein Stück zusammen gehen, stecke ich noch den Fastenkalender ein.

Die Worte kommen und gehen, aufgeregt, laut und leise. So viel drängt von innen nach draußen. Unsere Schritte werden schneller. Die Bewegung tut gut und es scheint, als würde jeder unserer Schritte einen Gedanken mit sich nehmen. Wir kommen zum Wasser, bleiben stehen, schauen wie gebannt, berührt von diesem Augenblick. Es ist still geworden zwischen uns, ganz wie von selbst, im Schauen und Staunen und Genießen. Als unser Atem fast synchron geht, nehme ich den Fastenkalender und lese aus einem Text von Gerhard Tersteegen:

„Still geschäftiger Verstand, ruht, ihr ausgeschweiften Sinnen! Soll mir Wahrheit sein bekannt, muss der Bilder Schwarm zerrinnen; soll Gott wirken frei und rein, muss mein Eignes stille sein.“

Wir stehen da und sind erfüllt von dem, was gerade ist. Der Bilder Schwarm zerrinnt. Es ist, sagt er, als würde ich weit werden. Ich hole Atem in mein Herz. Wie schön, denke ich.

Das geschieht manchmal, wenn wir anders in Bewegung kommen, innehalten oder die Richtung wechseln. Einen Moment nur, doch der erfrischt, tut gut und stärkt. Vielleicht haben Sie Lust, diese heilsame Unterbrechung auch einmal zu probieren, auf Ihre Weise.

Ihre
Anke Theuerkorn

 

 

„… dann soll er doch meinetwegen am Jüngsten Tag liegen bleiben.“

Friedrich der Große, König der Preußen, sollte der Amtsenthebung eines Pastors zustimmen. Der hatte in seiner Osterpredigt behauptet, er könne aus Vernunftgründen nicht an die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag glauben. Der König soll die Eingabe abgewiesen haben mit den Worten: „Das ist ganz und gar seine Sache, wenn er nicht auferstehen will, dann soll er doch meinetwegen am Jüngsten Tag liegen bleiben.“ Der Preußenkönig war bekannt für seine Toleranz in geistlichen Dingen. Seiner Meinung nach sollte „jeder nach seiner Fasson selig werden“. Das klingt sympathisch. Mit der Frage nach der Auferstehung wird jedoch eine Kernfrage des christlichen Glaubens angesprochen. Denn der Glaube an die Auferstehung ist das Fundament unseres Glaubens. Nicht Weihnachten und das Kind in der Krippe sind Ausgangspunkt des Christentums, sondern Ostern und das leere Grab. Kein Mensch würde von einem in Bethlehem geborenen Kind reden, keiner von einem auf Golgatha gekreuzigten Jesus sprechen, wenn das Grab nicht leer gewesen wäre, wenn das Unbegreifliche nicht geschehen wäre. Zweifel an der Auferstehung haben Christen seit den ersten Tagen begleitet. Als kritische Anfrage von außen, wie als unsichere Position in den eigenen Reihen. Die Frage nach der Auferstehung ist letzten Endes eine Frage des Vertrauens. „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“, fragt Paulus (1. Korinther 15,55). Die Antwort ist das älteste und kürzeste Glaubensbekenntnis, das die Christenheit kennt: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Weil Jesus auferstanden ist, feiern wir Weihnachten. Darum lassen Sie uns auch kräftig Ostern feiern. Ostern bedeutet: Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern das Leben durch Christus, der auferstanden ist. Auch wir werden leben. Lassen Sie uns deshalb Ostern liebevoll gestalten mit der Feier der Osternacht, mit Posaunenklängen, mit Osterkerzen und Liedern.

Ihr
Burkhardt Stevens

 

 

Eine Schale

Eine Schale – einfach in ihrer Form, leer, vor unsere Augen gestellt.
Immer wieder haben wir in unserem?Alltag mit Schalen zu tun. Sie bergen sich in unseren Händen mit heißem Tee oder leckerem Müsli, mit Süßigkeiten oder frischen Erdbeeren mit Schlagsahne. Wie gern nehme ich manche meiner Schalen in die Hand und umschmeichle sie.
Mein Leben kann auch eine Schale sein, so wie es Dag Hammarskjöld in seinem Tagebuch erzählt:?“Jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens hingehalten werden, um aufzunehmen, zu tragen und zurückzugeben. Leer hinreichen…“
Was mag sich finden in unseren Lebensschalen? Wie sind sie gefüllt? Mit Glück und Freude vielleicht, neuen Impulsen für das, was kommt, mit Menschen, die an unserer Seite sind. Und auch damit, dass etwas nicht gelingen will, traurig macht, verzweifeln lässt, Trauer und die Endlichkeit unseres Lebens in den Blick kommen, Einsamkeit spürbar wird.
Was hat Ihre Lebensschale schon alles aufgenommen, auch so, dass andere es nicht sehen können? Was möchten Sie zeigen aus Ihrer Lebensschale? Woran andere teilhaben lassen? Vieles ist darin zu finden und aufgehoben. Mit manchem werden wir nicht zufrieden sein. Aus anderem können wir schöpfen und fühlen uns beglückt.
Wir dürfen die Schale des Lebens unserem Gott hinhalten. Sie immer wieder leeren vor Gott, denn er nimmt das, was sich birgt in diesen Schalen, an sein Herz.
Eine Schale – auch als Symbol für unseren christlichen Glauben: wie die Taufschale, aus der wir das Geschenk der Liebe Gottes empfangen oder der Kelch, den wir teilen am Tisch des Lebens.
Gott kommt uns nahe und wir dürfen diese Nähe zu uns nehmen. Welch ein Geschenk: diese Quelle der Stärkung, diese Quelle der Liebe.

Pastorin Anke Theuerkorn

Haben Sie auch eine Weihnachtspyramide, vielleicht sogar eine aus dem Erzgebirge mit vielen Stockwerken?
Gesehen haben Sie aber schon ganz sicher einmal eine.
Die großen Propeller oben werden angetrieben, wenn unten die Kerzen leuchten und die Wärme die Luft in Bewegung bringt. Dann bewegen sich die Figurengruppen unentwegt im Kreis.
Die Hirten und die Drei Heiligen Könige mit ihrem Gefolge kommen anscheinend nie in Bethlehem an.
Erst wenn die Kerzen wieder aus sind, kommt alles zur Ruhe. Das Laufen hat ein Ende.
Merkwürdig ist es schon, was uns die Weihnachtspyramiden da präsentieren. Es scheint so, als ob wir im Dunkeln und in der Ruhe in Bethlehem ankommen und dem Heiland nicht bei Licht begegnen. Es scheint so, als ob es auf unser inneres Licht ankommt. Das äußere Licht erinnert uns an das Licht in uns. An den hellen Schein, den Gott in unser Herz gegeben hat, wie Paulus sagt.
Wenn die Stille da ist, die Ruhe und die Dunkelheit, dann können wir erleben, was Johann Scheffler – auch bekannt als Angelus Silesius – im 17. Jahrhundert gesagt hat:
Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren.
Der Weihnachtslauf kommt endlich in uns selbst zu einem Ziel. Wir schaffen nicht das Weihnachtsfest, Weihnachten erschafft uns.
Das werden wir feiern auf ganz verschiedene Weisen. Vielleicht auch im Dunkeln und in Ruhe.
Pastor Michael Szelinski

Wir über uns

Zur Trinitatisgemeinde Kiel gehören die
drei Kirchen: Maria-Magdalenen-Kirche, Stephanuskirche, die Weinbergkirche und drei Gemeindezentren, die im Januar 2002 fusionierten. Die Gemeinde umfasst die etwa 8.500 evangelisch-lutherischen Christ_innen der Stadtteile Elmschenhagen, Kroog, Wellsee und Rönne. Wir konnten seit der Fusion viele Jahre Erfahrungen sammeln, aber noch immer sind wir neugierig und offen für Anregungen. Deswegen sind wir angewiesen auf kritisch-solidarische Rückmeldung sowie auf normale und verrückte Ideen, mit denen unser Gemeindeleben bereichert werden kann.

So finden Sie zu uns


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Hauptbüro an der Maria-Magdalenen-Kirche
Christine Kreß-Lindenberg
Im Dorfe 1
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Tel 0431-78 64 00