Haben Sie Lust einen Gottesdienst mit zu gestalten?
Gemeinsam mit Ihnen möchte ich gerne einen Gottesdienst vorbereiten und feiern. Wir erarbeiten ein Thema, das für alle Beteiligten von Interesse ist. Das kann ein biblisches oder politisches Thema oder eine persönliche Fragestellung sein. Wir suchen die Lieder aus, die gesungen werden sollen und entscheiden auch über die Instrumente. Gemeinsam formulieren wir Gebete und überlegen uns, wie der Ablauf sein könnte. Vielleicht mit einer Stille-Übung? Gibt es eine Predigt oder lieber einen Dialog? Was vermissen Sie sonst im Gottesdienst?
Nach der Vorbereitung feiern wir den Gottesdienst und tauschen uns im Anschluss daran aus. Wann und in welchem Kirchraum der Gottesdienst stattfindet, entscheiden wir gemeinsam.
Wir treffen uns
Montag, 24. Oktober, 18 Uhr
im Gemeindehaus Weinberg
Ich bin gespannt auf Ihre Ideen!
Pastorin Natascha Hilterscheid
„Insel im roten Meer mit 6 Buchstaben?“ „Berlin!“ Vor 50 Jahren erzählten sich Menschen diesen Witz, um einen Abstand zu ihren Gefühlen herzustellen. Abstand zu ihrer Trauer und ihrer Angst und ihrer Wut. Da bauten Menschen mitten durch Deutschland eine Mauer und mauerten Berlin ringsum ein. Das war unfassbar. Und das machte Angst vor einem 3. Weltkrieg. Da waren Verwandte, die bis gestern noch einen Block weit entfernt wohnten, unerreichbar geworden.
Und an der Mauer auf den Wachtürmen saßen Soldaten und schossen auf die, die von Osten nach Westen wollten: Mauerschützen.
Ein Schütze schützt nicht, er schießt. Und wenn er schießt, soll er treffen. Ganz sicher hatten viele der NVA-Soldaten an der Mauer Gewissenskonflikte. Soll ich schießen auf jemanden, der nichts anderes will als Freiheit? Muss ich schießen, weil ich eine Freiheit zu verteidigen habe?
Soldaten sind immer in diesem Konflikt. Und in ihrer Entscheidung sind sie zumeist völlig allein und tragen an den Folgen eines Sekundenbruchteils ein Leben lang.
Die Macht des Befehlshabers oder des Staatsoberhauptes wird plötzlich zu einer persönlichen Erfahrung und ist bedrängend und Angst auslösend. Wer bestimmt über mich? Wo ist eigentlich mein freier Wille? Anna Seghers, die deutsche Antifaschistin, beschreibt in ihrem Roman „Das siebte Kreuz“ aus dem Jahr 1942 was Menschen in den schwierigen Situationen politischer Unterdrückung Kraft geben kann:
“Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar.”
In unserem Innersten gibt es etwas, was wie eine Insel unerreichbar ist. Es ist aber eben nicht eingemauert und kann und soll immer wieder nach außen dringen und in die Welt wirken. Das Innerste ist kein Rückzugsort für Dauer. Es ist immer zugleich Startpunkt für eine Veränderung und einen Neuanfang.
Gerade im November häufen sich die Gedenktage: der Fall der Mauer, Reichspogromnacht und Volkstrauertag. Und immer geht es auch darum: Was machen wir daraus. Es ist nicht bloß Geschichte oder Politik. Es ist unser Leben.
Pastor Michael Szelinski-Döring