Archiv für April, 2011

19.Apr 2011

Vorbilder- Am Mehr des Anderen wachsen

Pastor Martin Niemöller (1892 – 1984) hatte ein einfaches Rezept, wenn er eine Gewissensentscheidung zu fällen hatte. Er fragte sich ganz schlicht: „Was würde Jesus dazu sagen?“. Natürlich wusste der Theologe, dass er an die Original-Jesus-Worte gar nicht heran kam. Er stellte sich nur vor, was Jesus sagen würde. Er wandte sich seinem Bild von Jesus zu. Vermutlich hätte Martin Niemöller Jesus als sein Vorbild bezeichnet.

Christlicher Glaube wird immer durch  Menschen – also durch Vorgänger und Vorbilder – weitergegeben und bezeugt. Ihr Leben und Handeln ermutigt Menschen, sich als Christen und Christinnen zu äußern. „Man tut es ihnen gleich“  oder „Man eifert ihnen nach“ heißt das dann.

Denn der eigene Glaube entfaltet sich in solch einer Begegnung mit einem Glaubenszeugen. Dabei geht es um Authentizität. Wer also Wort und Tat zusammenbringt und dabei aufrichtig bleibt, ermutigt zu  neuen eigenen Glaubensäußerungen und kann dann wiederum selbst  zu einem Vorbild werden. Glaube wächst in Beziehungen.  So entsteht die Möglichkeit, sich selbst und seine Einstellungen in Beziehung zu setzen zu einem anderen Menschen, der einen beeindruckt.

Vorbilder – oder vielleicht besser Vorlebende – im Glauben sind deshalb nötig. Von ihnen kann man lernen, wie man auch in Krisen Vertrauen behalten kann. Aber dabei sollten sie eben nur Vorbilder bleiben. Wir sollen nicht werden wie sie, sondern ausschließlich unsere Haltung und Einstellung an der des Vorbildes messen können. Denn nur so können auch wir mit unserem Leben vorbildlich sein. Dazu ist es nötig, die eigene Identität und das eigene Besondere zu entdecken. Durch pure Imitation  gäbe es keine neuen Vorbilder, sondern Abziehbilder. Und es gäbe keine Veränderung.

In einer jüdischen Weisheitsgeschichte heißt es:

Vor dem Ende sprach Rabbi Sussja: „In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen, warum bist du nicht Mose gewesen, sondern man wird fragen, warum bist du nicht Sussja gewesen.“

 

©Sita/Pixelio

Wer sind unsere Vorbilder?

Pastor Michael Szelinski-Döring

18.Apr 2011

Konfirmation

Er war ein anstrengender Junge, vorlaut und aufmüpfig; er liebte es zu provozieren und fehlte des Öfteren im Unterricht. Manchmal war er bei der Sache, aber überwiegend abgelenkt, die Frisur zerzaust, die Hose eingerissen.

 

Für mich war es nicht ganz leicht, den Draht zu ihm über eineinhalb Jahre Unterrichtszeit nicht abreißen zu lassen.

Und dann kam der Tag der Konfirmation. Der junge Mann war nicht wiederzuerkennen. Mit guter Hose und Jackett, Hemd, Krawatte und gepflegter Frisur kam er zum Festgottesdienst. Und als er zur Einsegnung  an der Reihe war, ging er fröhlich und entspannt mit zwei anderen zum Altar, beim Segen schloss er die Augen. Bevor er wieder auf seinen Platz in der ersten Reihe der Kirche ging, lächelten wir uns freundlich an, als wollte er sagen: Es war schön, danke.

 

Ich glaube, die Konfirmation ist immer noch ein wichtiges Ereignis im Leben eines Jugendlichen. Die Segnung kann in uns Widerstände und Spannungen lösen und uns viel Wertschätzung empfinden lassen. Wir sind von Gott behütet, er kann Rückenwind und Mut zum Leben schenken. Ich glaube, der junge Mann hatte dieses für einen Moment gespürt und begriffen. Heute begegnen wir uns richtig gerne.

 

Im Mai werden in unseren drei Kirchen die nachstehend mit ihrem Namen aufgeführten Mädchen und Jungen konfirmiert. Und ich möchte allen von Herzen wünschen, dass auch sie unter dem Segen Gottes Mut bekommen, ihr Leben selbstbewusst und mit fröhlichem Herzen zu gestalten.

 

Pastor Albrecht Schmidt


18.Apr 2011

Steh auf!

„Am dritten Tag auferstanden von den Toten“ – mit diesen Worten bekennen wir unseren Glauben an die Auferstehung Jesu. Glauben wir das? Und wenn ja, woran würden wir es merken?

 

Wenn die Wurzel unseres christlichen Glaubens die Auferstehung ist, dann heißt Glauben Aufstehen. Glauben heißt nicht Weitermachen um jeden Preis, nicht Routine und auch nicht Resignation. Glauben heißt Unterbrechen oder sich unterbrechen zu lassen, indem wir mit Gott rechnen. Manchmal wider alle Erfahrung und trotz all der Argumente, die dagegen sprechen könnten. Eberhard Jüngel hat einmal gesagt: „Das unterscheidet Ostern von einem Osterspaziergang, Spaziergänge ändern nichts. Sie enden in der Regel genau da, wo sie anfingen. Ostern hingegen ist ein Aufbruch ohne Ende.“

 

Die Auferstehung im eigenen Leben zu erfahren bedeutet Veränderung zuzulassen. Dafür müssen wir allerdings unsere gewohnte Kontrolle abgeben. Denn die haben die Jüngerinnen und Jünger sicher nicht mehr, als sie fassungslos vor dem leeren Grab stehen. Aber als sie es endlich fassen können, als sie Jesus fassen können, da haben sie die Gewissheit, dass mit Gott immer zu rechnen ist! Eine Gewissheit, von der wir uns stärken lassen können und an die uns gerade das Osterfest erinnern möchte.

 

 

Die Auferstehung ist möglich, auch für uns. Jeden Tag. Es reicht nicht, die Auferstehung Jesu zu bewundern, zu feiern, ohne sie in unser Leben zu lassen. Die Auferstehung schenkt uns die Kraft und die Hoffnung, auch selbst aufstehen zu können.

 

 

Dorothee Sölle hat ein Glaubensbekenntnis zur Auferstehung geschrieben. Sie nennt es „Auferstehung heute“:

 

Ich glaube an Jesus Christus

der aufersteht in unser Leben

dass wir frei werden

von Vorurteilen und Anmaßung

von Angst und Hass

und seine Revolution weiter treiben

auf sein Reich hin.

 

Ich glaube an den Geist

der mit Jesus in die Welt gekommen ist

an die Gemeinschaft aller Völker

und unsere Verantwortung für das

was aus unserer Erde wird

ein Tal voller Jammer, Hunger und Gewalt

oder die Stadt Gottes.

 

 

 

In diesem Sinne ist die Auferstehung ein Aufruf:

 

Steh auf!

Steh auf gegen alles, was lebensfeindlich ist. Steh auf gegen alle, die menschenverachtend sind. Steh auf gegen deine eigene Trägheit und Mutlosigkeit. Lass dich nicht benutzen. Pass auf, dass du nicht unbedacht mit dem Strom schwimmst. Steh auf für das Leben, das Gott uns geschenkt hat. Und wenn du es dir gerade nicht zutraust, dann hilft es dir vielleicht zu wissen, dass Gott es tut.

 

Pastorin Natascha Hilterscheid