Archiv für Januar, 2011

In letzter Zeit wird viel von einer säkularisierten Gesellschaft gesprochen. Säkularisierung wird als Synonym für Verweltlichung gebraucht. Der Begriff beschreibt die Ausbreitung weltlicher Einflüsse in der Kirche sowie die Lösung aus kirchlichen und religiösen Bindungen. Über die Bedeutung der Religion in unserer Zeit sprach Elke Mutsch mit Pastorin Hilterscheid.

Pastorin Hilterscheid, hat die Religion heute an Bedeutung verloren? Die Christen sind statistisch auf dem Rückzug. Viele können sich in der Religion nicht wiederfinden. Und doch – die Menschen sind auf der Sinnsuche. Sie fangen wieder an zu fragen. Es entsteht ein neues Gespür dafür, dass ein rein wirtschaftliches, konsumorientiertes Leben zu banal, zu äußerlich und zu oberflächlich ist.

Die Religion an sich hat sicherlich nicht an Bedeutung verloren.

Religion als Etwas, das erfahrbar ist in den verschiedensten Zusammenhängen, wird niemals an Bedeutung verlieren. Religion in diesem Sinne ist nichts, das vermittelt werden könnte, sondern sie ist eine Offenba-rung, ein Geschenk.

Das was Sie hier meinen, ist vermutlich das Christentum in Form der Institution Kirche, die an Bedeutung verloren haben mag. Das Christentum, das uns heute in einem institutionalisierten Gewand begegnet. Und hier ist wohl viel schief gegangen. Denn die Kirche steht heute stets in dem Verdacht, für alles eine Antwort zu haben und keinen Raum für Zweifel zu geben. Und dann ist es kein Wunder, wenn sich viele Menschen hier nicht wiederfinden.

Doch der Ursprung einer jeden Religion ist die Frage. Die Frage „woher komme ich“ und „wohin gehe ich“ betrifft uns alle. Und gerade die Kirche ist der Raum, in dem ich diesen Fragen nachgehen kann.

Ist die säkularisierte Gesellschaft eine religionslose Gesellschaft?

Ich halte die Gegenüberstellung von säkularisierter Gesellschaft und religiösen Bedürfnissen für eine kurzsichtige Polarisierung. Beides fließt ineinander. Gott ist im Alltag erfahrbar, wie soll ich da Religion und Welt trennen? Und natürlich halte ich die Gesellschaft nicht für „religionslos“.

Hat die Säkularisierung auch befreiende Aspekte? Es wünscht sich doch heute keiner mehr die Zeit zurück, in der Religion die totale Herrschaft über uns ausübt.

Natürlich ist es eine Befreiung, wenn die Religion nicht mehr als ein totalitäres System daher kommt. Zumal das meiner Meinung nach ein Widerspruch in sich ist. Eine Entkirchlichung hat befreiende Aspekte, wenn Kirche den Zweifel und unangenehme Anfragen verbietet. Doch ich glaube, wir haben das alte Gefängnis gegen ein neues getauscht. Nicht die Kirche hat nun das Sagen, sondern die Leistungsge-sellschaft. Und die hat meines Erachtens sehr strenge Regeln. Wir müs-sen möglichst einwandfrei funktionieren, dabei lächeln und gut aussehen. Aussteiger sind Verlierer. Jesus war ein Aussteiger. Auf dieser Basis ist eine totalitäre Kirche genauso irrwitzig wie eine Leistungsgesellschaft.

Religion findet immer mehr im Privatbereich statt. Braucht es Mut, sich in einer entkirchlichten Umgebung zu behaupten?

Der Glaube betrifft unser gesamtes Leben und deshalb ist er immer sowohl privat als auch öffentlich. Ein Glaube kann nicht nur im stillen Kämmerlein gelebt werden. Ich vergleiche an dieser Stelle den Glauben immer mit der Liebe und dem Verliebtsein. Das dringt doch nach außen, das erfüllt uns und will in die Welt hinaus geschrien werden. Und wenn ich verliebt bin, verändert das doch auch meine Wahrnehmung auf die Dinge. So ist es auch mit dem Glauben. Und natürlich braucht es Mut, die Liebe zu Gott öffentlich zu bekennen. Klar, das gehört zu einem Bekenntnis dazu. So war es schon immer, auch zu Jesu Zeiten.

Wie begegne ich Menschen, die meinem Glauben Desinteresse entgegenbringen?

Sich zu etwas oder jemanden zu bekennen, birgt immer das Risiko, an einer anderen Stelle ausgeschlossen zu werden. Aber das kümmert uns doch auch nicht, wenn wir uns zu einem geliebten Menschen bekennen.

Warum kümmert es uns, wenn es um Gott geht? Wir können selbstbewusst mit unserem Glauben umgehen. Zumal sich hinter dem Desinteresse oft ein ganzes Wollknäuel an Vorurteilen verbirgt.

Wie wird Glaube gelebt und Gemeinde geschaffen? Und welche Impulse kommen aus dem Glauben in einer zunehmend entkirchlichten Umwelt?

Gemeinde wird nicht geschaffen! Die ist immer schon da. Wir können sie nur beleben. Und „wir“ meint hier im Übrigen nicht nur die Pastorinnen und Pastoren.

Den Glauben zu leben bedeutet für mich nichts fraglos hinzunehmen, in kritischer Distanz zu dem zu stehen, was passiert und daran zu glauben, dass noch mehr möglich ist. Das ist es, was Jesus mich gelehrt hat. Wir alle sind ein Gedanke Gottes und als solcher tragen wir die Verantwortung ihn sichtbar werden zu lassen. Dazu muss ich mich auch selbst immer wieder von Gott in Frage stellen lassen.

Zur Trinitatisgemeinde wird keiner sagen können: „Du bist ja fertig!“

Hier ist und bleibt vieles eine Baustelle. Dabei ist im zurückliegenden Jahr einiges geschafft worden. Die umfangreichsten Baumaßnahmen haben im Gemeindehaus neben der Maria-Magdalenen-Kirche stattgefunden. Nun hat das Ge-meindehaus ein neues Dach und unter dem Dach eine sehr gute Isolierung. Man kann es spüren: Das Raumklima hat sich verbessert. Und dazu auch noch die Akustik. Und frische Farben. Das ist gut angekommen bei den Menschen, die das Haus nutzen und auch Freude haben, dass der Gemeindesaal durch eine Faltwand jetzt für zwei Gruppen gleichzeitig nutzbar ist. Von außen kann man das dem Gemeindehaus noch nicht ansehen. Es sieht aus wie immer. Das Wärmedämmverbundsystem ist bislang noch nicht angebracht worden. Das Nordelbische Kirchenamt konnte zu den Entwurfsplänen der Architektin nicht „JA“ sagen. Inzwischen ist ein neuer Architekt mit der Fassadengestaltung betraut: Rüdiger Hoffmann. Er ist mit der Trinitatisgemeinde räumlich und inhaltlich verbunden. In 2011 werden das Gemeindehaus und auch das Pastorat am Gemeindehaus fertig gestellt sein. In der Stephanus-Kirche wird es in diesem Jahr einen neuen Anstrich geben und die Sanitäreinrich-tung in der Kirche wird erneuert. In den Räumen am Weinberg soll es auch einen neuen Anstrich geben. Hier wird eine Schiebewand, die akustisch dämmt, eingebaut werden.

Wie gut, dass alle Kindergärten in unse-ren Gemeindehäusern jetzt baulich auf dem besten Stand sind. Alle Räume sind akustisch bestens gedämmt und die Fußböden sind jetzt doppelt isoliert, zusammen mit den neuen Fenstern macht das räumlich fast neue Kindergärten. Hier hat die Kirchengemeinde von den Förder-geldern aus dem Konjunkturpaket 2 sehr profitiert.

Im Ausschuss für Bau- und Immobilien wird auch über die Außengestaltung um die Maria-Magdalenen-Kirche nachge-dacht. Der Verein zur Ausgestaltung der Maria-Magdalenen-Kirche wird Mittel bereit stellen, um einen Landschafts-architekten mit einem Gestaltungsent-wurf zu beauftragen.

Es gibt noch Ziele. Trinitatis ist lebendig und eben nicht so fertig.

Pastor Michael Szelinski-Döring

Künstler Hans-Gottfried von Stockhausen

Die Maria-Magdalenen-Kirche wurde 1944 im Krieg schwer beschädigt, auch die Buntglasfenster wurden zerstört. Bei der Grundsanierung in den 80er Jahren wurden die Fenster im Längsschiff und den Querschiffen nach den Entwürfen von Professor Hans-Gottfried von Stockhausen gestaltet. 1992 konnten dann auch die fünf Chorfenster durch seine handgefertigte Verglasung erneuert werden.

Der  Verein zur Ausgestaltung der Maria-Magdalenen-Kirchehat eine durch die Kieler Kunsthistorikerin Dr. Imke Lüders erstellte Broschüre aufgelegt, die das Werk von Stockhausen darstellt.

Die Broschüre liegt in der Maria-Magdalenen-Kirche und im Gemeindehaus aus.

Hans-Gottfried von Stockhausen wurde 1920 im Kreis Hof-geismar (Hessen) geboren. Er studierte bei Professor Yelin in Stuttgart Glasmalerei und Mosaik.

Als Künstler widmete er sich zunächst der architekturgebundenen Glasmalerei und wurde über Jahre hinweg mit bedeutenden Aufträgen vor allem aus dem kirchlichen Bereich betraut. 1968 wurde er Leiter einer Grundklasse für Malerei an der Stuttgarter Akademie der bildenden Künste. 1970 übernahm er den Lehrstuhl seines Lehrers für Glasmalerei und Mosaik.

Künstler Hans-Gottfried von Stockhausen

Die Maria-Magdalenen-Kirche wurde 1944 im Krieg schwer beschädigt, auch die Buntglasfenster wurden zerstört. Bei der Grundsanierung in den 80er Jahren wurden die Fenster im Längsschiff und den Querschiffen nach den Entwürfen von Professor Hans-Gottfried von Stockhausen gestaltet. 1992 konnten dann auch die fünf Chorfenster durch seine handgefertigte Verglasung erneuert werden.

Der Verein zur Ausgestaltung der Maria-Magdalenen-Kirchehat eine durch die Kieler Kunsthistorikerin Dr. Imke Lüders erstellte Broschüre aufgelegt, die das Werk von Stockhausen darstellt.

Die Broschüre liegt in der Maria-Magdalenen-Kirche und im Gemeindehaus aus.

Hans-Gottfried von Stockhausen wurde 1920 im Kreis Hof-geismar (Hessen) geboren. Er studierte bei Professor Yelin in Stuttgart Glasmalerei und Mosaik.

Als Künstler widmete er sich zunächst der architekturgebundenen Glasmalerei und wurde über Jahre hinweg mit bedeutenden Aufträgen vor allem aus dem kirchlichen Bereich betraut. 1968 wurde er Leiter einer Grundklasse für Malerei an der Stuttgarter Akademie der bildenden Künste. 1970 übernahm er den Lehrstuhl seines Lehrers für Glasmalerei und Mosaik.

Im Altarraum der Maria-Magdalenen-Kirche beschreibt der Glaskünstler in den Fensterbildern die biblische Lebensgeschichte Jesu von der Geburt bis zur Auferstehung.

Die nördlichen Fenster zeigen Bilder aus der alttestamentlichen Schöpfungsge-schichte. Im südlichen Querschiff werden Gleichnisse aus dem Neuen Testa-ment dargestellt.

Hans Gottfried von Stockhausen ist im Januar letzten Jahres im Kreis seiner Familie verstorben.

Außer in der Maria-Magdalenen-Kirche können Sie seine Werke in Kiel auch noch in der Jakobi-Kirche und in der Holtenauer Dankeskirche besichtigen.

Mit der Broschüre haben Sie nun die Möglichkeit, sich detailliert mit den Fenstern auseinander zu setzen. Sie erhalten Anregungen sich über die Gleichnisse Gedanken zu machen, und – sie können sich umfangreich über Hans Gottfried von Stockhausen und seine Arbeiten informieren.

Bleiben Sie doch nach dem nächsten Gottesdienst in der Kirche (Offene Kirche bis 18 Uhr), nehmen die Broschüre in die Hand und schauen sich die Fenster mal genau an. Sie werden über die Farbe und die ornamentale Gestaltung erstaunt sein.

Elke Mutsch

 

Bei welchen Gelegenheiten haben Sie zuletzt gesungen?

Die meisten im Auto (43 Prozent). Ein gutes Drittel im Gottesdienst. Immerhin zwölf Prozent sind so sangesfreudig, dass sie einem Chor angehören. Nur neun Prozent singen gar nicht. Der Rest der Deutschen trällert irgendwie, irgendwo.

Quelle: EMNID-Institut im Auftrag von chrismon)

Am 7. Juni 1545 war Dr. Martin Luther zornig und schimpfte mit denen, die im Gottesdienst statt zu singen nur murmelten und brummten. „Wozu kommt ihr eigentlich in die Kirche? Um zu blöken? Christen  kommen in die Kirche, um zu beten oder Gott zu danken. Wenn Ihr brüllen, brummen, grunzen und murren wollt, so geht hinaus unter die Kühe und Schweine. Die werden Euch wohl antworten. Aber verschont die Kirche”, so der Reformator.

frei aus “Luthers Tischreden”

Wie halten Sie es denn mit dem Singen im Gottesdienst? In manchen unserer Gottesdienste wird erstaunlich gut, sogar mehrstimmig, gesungen, in anderen wiederum lässt der Gesang zu wünschen übrig.

Rund 640.000 Sängerinnen und Sänger gehörten im vergangenen Jahr einem Kirchenchor an. Wie der Deutsche Musikrat in Berlin mitteilte, waren bundesweit 26.000 Chorgruppen aktiv.

Singen befreit, singen tut gut und wenn man das eine oder andere neue Lied nicht direkt kann, dann lernt man es im Laufe der Zeit.  Oder man geht in einen Kirchenchor. Hier einige gute Gründe:

Singen im Chor gibt die Möglichkeit, das Gemeindeleben und natürlich auch die Gottesdienste aktiv mitzugestalten.

v  Die Gemeinschaft wird gepflegt  und das Gesellige kommt nicht zu kurz.

v  Im Chor zu singen erfordert, auf einander zu hören und zuzuhören. Das macht das Miteinander interessant.

v  Sie können durch Ihre Teilnahme dazu beitragen, dass der Chor noch lange besteht.

v  Das gemeinsame Erarbeiten und der Erfolg sind gute Erlebnisse.

v  Man trifft Menschen aller Altersgruppen.

v  Sie können den Alltag ein Stück weit hinter sich lassen.

Singen im Kirchenchor ist vielseitig und interessant, hier erleben Sie Kirche zum Mitmachen…

…so auch im Trinitatis-Chor:
43 sangesfreudige Frauen und Männer  jeglicher Altersschichten blicken auf ein ereignisreiches Jahr 2010 mit vielen schönen musikalischen Erlebnissen zurück. Da war z. B. das große Sommerkonzert mit Orchester und Solisten, das unter dem Motto „Bach pur“ stand. Weiterhin wurden zahlreiche Gottesdienste vom Chor musikalisch mitgestaltet. Im Gedächtnis wird den Sängerinnen und Sängern sicherlich auch das Oktober-Wochenende in Ratzeburg bleiben, bei dem viel geprobt und abends, nach getaner „Arbeit“, die Geselligkeit gepflegt wurde.

auch in diesem Jahr stehen wieder interessante Projekte an. Chorleiter Christian Steltner plant für die Zeit kurz vor den Sommerferien, zwei große Chorkonzerte, die der Trinitatis-Chor erstmals außerhalb Kiels geben wird. Das Konzertprogramm wird dann auch bei einer Aufführung in der Trinitatis-Gemeinde zu hören sein.

„Darüber hinaus wird es wieder ein Weihnachtskonzert – traditionell am 3. Advent – geben“, so der Kirchenmusiker. „Selbstverständlich wird der Chor auch in diesem Jahr Gottesdienste in der Gemeinde mitgestalten und ein gemeinsames Probenwochenende ist auch in der Planung und ein Auftritt beim Stadtteilfest und… Es steht also wieder viel an.“

Wenn Sie Interesse haben sollten, den Chor bei diesen Vorhaben sängerisch zu unterstützen, sind Sie jederzeit herzlich willkommen. Für weitere Informationen melden Sie sich bitte bei:

Christian Steltner, Telefon 54 44 276.

 

Elke Mutsch

“Evangelische Kirchen?

Ach, die sind doch immer geschlossen!”

Stimmt,  wenn sie nicht gerade im Stadtzentrum oder an touristischen Routen liegen oder ein Baudenkmal sind.  Dabei wünschen sich viele Menschen, auch außerhalb der Gottesdienste Momente der Andacht, der Trauer und des Trostes in einer Kirche erleben zu können. Das zeigen die Kerzenleuchter und Gästebücher dort, wo Kirchen tagsüber geöffnet sind.

Die Trinitatisgemeinde hat mehrere Versuche unternommen, ihre Kirchen wenigstens zeitweise außerhalb der Gottesdienste zu öffnen. Oft gab es Sorgen um die Aufsicht, denn unsere Kirchen enthalten kleine und große Schätze. Seit dem 1. Advent läuft ein neuer Versuch: Alle drei Gotteshäuser sind sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Mareike Ahnemann aus unserer Trinitatisgemeinde hat an ihrem früheren Wohnort, Nienburg an der Weser, erlebt, wie eine Gemeinde aktiv und mit wachsender Begeisterung ihre Kirche der Allgemeinheit öffnete. Gwenda Hahne befragte sie zu diesem Thema.

Frau Ahnemann, wie kam es zu dieser Initiative in Nienburg?

Die Stadtkirche St. Martin in Nienburg ist ein Baudenkmal mit Stilelementen sowohl der Weserrenaissance als auch der Backsteingotik. Insofern lag es nahe, sie nach einer umfänglichen Restaurierung, bei der auch alte Fresken wiedergefunden wurden, auch außerhalb der Gottesdienste der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Pastor hat die Initiative übernommen und zunächst in kleinen bereits vorhandenen ehrenamtlichen Kreisen um Kirchenöffner geworben, die die Kirche am Samstag für zwei Stunden, von 10 bis 12 Uhr offenhalten. Später wurde dann über Aufrufe im Gemeindebrief dafür geworben, die Kirche zunächst jeden Vormittag  zwei Stunden und später auch nachmittags zwei Stunden offen zu halten.

Gab es Anfangschwierigkeiten und wie wurden diese Probleme gelöst?

Ja, es gab immer wieder Bedenken wegen Vandalismus und wegen der brennenden

Kerzen. Und natürlich musste ein „Dienstplan“ erstellt werden, damit jeder Kirchenöffner seine feste Zeit hat. Es wurde aber bisher nie Hand an Kunstdenkmäler gelegt, es gab keine Zerstörungen. Viele Menschen, auch solche, die nicht gerne in Kirchen gehen, nehmen die Gelegenheit wahr und schauen mal in die Kirche.

Ich selbst war als Kirchenöffnerin tätig. Es kamen immer  Menschen, im Sommer  viele Fahrradtouristen, Menschen, die Einkehr suchten – und es kam nie niemand!!

Was, meinen Sie, treibt Menschen an, sich so für die Öffnung ihrer Kirche einzusetzen?

Es gibt eine Menge Menschen, die gläubig sind und sich ihrer Gemeinde zugehörig fühlen, die sich aber aus persönlichen Gründen nicht so gerne sozial engagieren können oder wollen. Die haben bei dieser Tätigkeit eine sinnvolle Aufgabe gefunden. Viele haben betont, dass ihnen das Gebäude wichtig ist und zeigen stolz ihre Kirche her. Zu dieser Gruppe von Ehrenamtlichen gehören mehr Männer als Frauen! Die meisten haben eine verbindliche Zeit und gehen jede Woche, bei manchen teilt sich ein Ehepaar die Zeit und wechselt sich ab, manche sind nur als Springer tätig, wenn andere krank oder in Urlaub sind. Der Plan wurde immer bei einem Treffen ein Vierteljahr im Voraus gemacht und war dann verbindlich.

Da lernte man auch neue Kirchenöffner kennen, sodass man auch wusste, wen man anrufen konnte, wenn es Probleme gab. Meines Wissens ist es nach wie vor die ganz große Ausnahme, wenn die Kirche mal  nicht offen ist.

Gab es über die Kerzen und Gästebücher hinaus Reaktionen aus der Öffentlichkeit?

Man wurde oft angesprochen, viele haben sich bedankt und gefreut. Eine Zeitlang wurde sogar die Möglichkeit für ein persönliches Gespräch bei einem Pastor  angeboten. Der jeweilige Kirchenöffner hätte das dann koordinieren sollen. Ich glaube aber, das wurde nicht so angenommen.

Sie sprechen mit so viel Begeisterung von der Nienburger Gemeindeinitiative. Was könnten wir von dort vielleicht übernehmen oder was wünschen Sie sich für unsere Gemeinde?

Ich fand die Initiative des Pastors damals gut und die Arbeit der Gruppe ist sehr effektiv. Die vierteljährlichen Meetings gingen schnell, man tauschte sich kurz über Probleme und Lösungen aus und es wurden die Termine abgesprochen. Inzwischen ist die Kirche an sechs Tagen in der Woche jeweils vormittags twei Stunden und an den fünf Wochentagen auch nachmittags drei Stunden geöffnet. Dafür  gibt es von der

Landeskirche eine Extra – Auszeichnung. Das ist langsam gewachsen und erfordert natürlich eine gewisse Organisation. Inzwischen ist das aber ein ziemlicher Selbstläufer.

Es gibt eine Gebetsecke, in der Teelichte aufgestellt werden können und ein  Zettel  mit einem Gebet oder einer Fürbitte aufgehängt werden kann. Es gibt eine Gruppe, die diese Gebete dann auch nochmal betet. Weiterhin liegt dort ein Losungsbüchlein.

Ich bin der Überzeugung, dass etwas Ähnliches auch in unserer Gemeinde wachsen kann. Nicht zuletzt, weil es auch hier viele patente und pragmatische Menschen gibt und alle drei Kirchen Baudenkmäler sind, die es wert sind, häufiger für Besichtigung und Einkehr offengehalten zu werden.

Je mehr dazu beitragen, desto geringer ist der Aufwand, den der Einzelne leisten muss. Je länger ich hier in Kroog lebe, desto mehr stelle ich fest, dass die Gemeinden vergleichbar sind. Deshalb bin ich der Meinung, dass so etwas auch hier möglich wäre.

Ich selbst habe meine ehrenamtliche Arbeit auf diese Weise begonnen, habe als junge Mutter, wenn es nicht anders ging, einfach meinen kleinsten Sohn mitgenommen und ihm etwas vorgelesen. Eine Stunde in der Woche – Zeit zum Lesen, zum Nachdenken, zur Einkehr für mich selbst – die Zeit verging immer schnell. Und nicht zuletzt habe ich auf diese Weise viel über das Baudenkmal gelernt. Dass sich immer wieder interessante Gespräche ergeben, versteht sich von selbst. Ich erlebte meinen persönlichen Gewinn immer höher als das, was ich gab.

Wir haben viel Schnee gesehen, zugedeckt ist die Welt. Wie zum Schlafen. Die Decke bis an die Nasenspitze hochgezogen. „Alles schläft, einsam wacht“ haben wir zur Weihnacht gesungen. Der tiefe Winter ist wie eine Einladung zum Schlafen – Winterschlaf eben.

Schlafen gehört zu den natürlichsten Kraftquellen, die allen Lebewesen gemeinsam ist. Im Schlaf beruhigen sich die Geister. Etwas setzt sich in uns, mitten im Schlaf. Das, was uns den Tag über bewegt hat, senkt sich hinab in unseren Schlaf. Dort kommt es zur Ruhe oder es stellt sich ein ganz neuer Gedanke ein. Deshalb ist es so heilsam über manches „eine Nacht zu schlafen“.

Ich tue nichts dazu, es geschieht ohne meine Aktivität. Das bleibt für mich eines der tiefsten Geschenke, wenn ohne mein Zutun Neues entsteht.

Kinder tun sich schwer mit dem Einschlafen, das Dunkel der Nacht ist auch beängstigend. Denn in der Nacht sind wir schutzlos. Wer schläft, überlässt sich und die ganze Welt einem anderen. Wer schläft, gestaltet nicht mehr das Geschehen und wenn er am nächsten Morgen erwacht, schaut er auf die Welt und auf sich und vielleicht kann er sich wundern, über das, was sich verändert hat.

Matthias Claudius besingt das in dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“:

Wie ist die Welt so stille

und in der Dämmrung Hülle

so traulich und so hold

als eine stille Kammer,

wo ihr des Tages Jammer

verschlafen und vergessen sollt.

Schlafen ist eine Kraft, die im Nicht-Tun und im Nicht-Wollen ihre Stärke entfaltet. Der Schlaf ist Ausdruck eines großen Vertrauens. Ich entlasse mich ganz und gar, ich entlasse meine Geschäfte und meine Pläne, ich entlasse mein Leben und meine Lieben und finde mich und alles darin wieder und noch mehr.

Denn es kann immer an jedem Menschen wahr werden, was im Psalm 127 steht:

„Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“

Ich wünsche Ihnen und Euch allen soviel Vertrauen – auch im Wachen.

Pastor Michael Szelinski-Döring

Luthers Abendsegen

Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wolltest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

(Martin Luther, 1529, Nr. 894 im Evangelisches Gesangbuch)