„Frieden ist …?!“ Wie würden Sie diesen Satz beenden? Was bedeutet Frieden für Sie persönlich? Denken Sie gleich an den Weltfrieden oder eher an den Frieden im Stadtteil oder den eigenen Seelenfrieden? Nichts davon ist mehr oder weniger richtig oder falsch. Es sind verschiedene Assoziationen zu einem Thema, dem wir ganz unterschiedlich begegnen können.
Auf der Suche nach eben dieser Vielfalt wollen wir in unseren drei Bezirken Postkarten verteilen. Sie liegen in unseren Kirchen und in einigen Geschäften aus, werden in Gemeindegruppen und über Einzelpersonen verteilt.
Auf diesen Karten werden Sie eingeladen, Ihre Vorstellung von Frieden aufzuschreiben. Anschließend geben Sie die Karte dort, wo Sie sie erhalten haben oder direkt an die Trinitatisgemeinde zurück. Am Ende werden die Ergebnisse in einem
präsentiert und gewürdigt.
Frieden – was ist das für Sie?
Ihre Pastorin Natascha Hilterscheid
Bilder zum Friedensprojekt
Wer die Worte „Öffentliche Trauergottesdienste“ in die Suchmaschine Google eingibt, bekommt viele Einträge. Da gibt es den öffentlichen Trauergottesdienst für Opernfreunde anlässlich des Todes von Wolfgang Wagner, ebenso für die Freunde des Hamburger Originals Heidi Kabel und für die Fußballfreunde gibt es den öffentlichen Trauergottesdienst für Robert Enke. Ganz oben bei Google steht nach dem Unglück bei der Love-Parade der Gottesdienst in Duisburg.
Pastorin Natascha Hilterscheid (NH) und Pastor Michael Szelinski-Döring (MSD) haben sich getroffen und sich über dieses Thema die Meinung gesagt:
MSD: Mich beschäftigt die Frage, wie es sein kann, dass der Bürgermeister von Duisburg nicht beim Gottesdienst dabei war, da er sich selbst als Ärgernis oder als Provokation empfand. Unter solchen Umständen könnte ich als Pastor gar keinen Gottesdienst feiern, wenn ich weiß, einer hat das Gefühl, er dürfe nicht dabei sein.
NH: Dann wäre es doch umso wichtiger, einen Gottesdienst zu feiern und genau das zu benennen!
MSD: Kann man so etwas dann noch einen Trauer-Gottesdienst nennen. Ich hätte eher einen Buß-Gottesdienst daraus gemacht. Mir geht es um Buße und nicht um eventartige öffentliche Trauer. Wenn schon Trauergottesdienst, dann wäre eine Alternative für mich: eine EKD-weite Einladung an alle Christen in einen Gemeindegottesdienst zu gehen und dort eine Kerze anzuzünden oder einen Gebetszettel zu hinterlegen oder ähnliches. Es wurde in der Stadt, in der es passierte, wieder ein Mega-Event veranstaltet. Glücklicherweise ohne Panik
Niemand kann etwas aus Duisburg lernen, wenn man Sündenböcke vor das Geschehene stellt. Jedes Bedauern, jedes “Was könnte ich/könnten wir falsch-gemacht-haben-Denken” wird nicht geäußert, weil die Angst da ist, es könnte mit einem Schuldeingeständnis verwechselt werden.
Bei diesem Gottesdienst in Duisburg habe ich nur Betroffenheitslyrik erwartet. Mit Ausnahme von Ministerpräsidentin Kraft kam nichts Persönliches. Von den Politikern kam bislang auch nichts anderes. Die haben ja, überall, wo sie sind, einen dunklen Anzug, in dem eine fertige Rede steckt!
NH: Ich hätte auch Sauerland eingeladen, vielleicht auch für ihn eine Kerze angezündet – und es stimmt: Ein Trauergottesdienst schafft schnell einen Dualismus von Opfern und Tätern und dadurch bestünde die Gefahr, dass sich die Kirche bewusst oder unbewusst an der Hexenjagd beteiligt. Deshalb wäre ein Bußgottesdienst angebrachter gewesen.
Darüber hinaus frage ich mich übrigens, wer wollte diesen Gottesdienst eigentlich, wer brauchte ihn und wofür?
MSD: Genau das ist meine Frage …
NH: Ich will es noch zuspitzen:
Wer benutzte hier eigentlich wen? Die Kirche die Betroffenen, zwecks Mission oder die Betroffenen die Kirche. Wer wollte hier was genau, und wenn das nicht klar ist – was für eine Veranstaltung war das dann?
MSD: Stimmt! Veranstaltete die Kirche diesen Gottesdienst, weil sie entweder glaubt, die Menschen erwarten dies, oder veranstaltete sie den Gottesdienst, weil er wirklich notwendig war …?
NH: Wann ist denn ein Gottesdienst wirklich notwendig? Und wie muss er sein, um diese „Wendigkeit“ zu erfüllen?
MSD: Sag‘ ich gleich was zu!
… oder veranstaltete die Kirche diesen Gottesdienst, weil sie den Menschen zeigen will: Wir haben zu allem etwas zu sagen?
Ganz bestimmt dürfte gar nicht so viel gesagt, sondern mehr nachgedacht werden. Und dabei auf keinen Fall fragen: Warum sind die gestorben? Sondern: Wozu ist mir das nicht passiert und wozu lebe ich weiter? Und wie können wir mit allen weiterleben? Auch mit Sauerland!
NH: Das setzt voraus, dass es wirklich ausschließlich um Leben mit Schuld geht. Dann allerdings hätte jemand, der in Duisburg einen Menschen verloren hat, keinen Raum für seine schlichte Trauer. Es müsste tatsächlich auch einen “Raum” der Stille geben, in dem Etwas wirken kann, was vielleicht frei ist von bestimmten Ambitionen.
MSD: Würdest du denn zu solch einem Gottesdienst hingehen? Bist du denn traurig? Ich bin erschrocken und eigentlich auch das nicht einmal so sehr, weil ich das Gefühl hatte, das so etwas irgendwann passieren musste. Es entsteht jedoch ein Schrecken in meinem Kopf, wenn ich mir das Gewühl vorstelle und die plötzliche Angst und den zunehmenden Druck. Schrecken, aber nicht Trauer.
Ich kenne die Menschen ja nicht. Ich müsste mir also vorstellen, wie geht es denen, die jemanden verloren haben? Ich kann mir vorstellen, dass man zu so einem Gottesdienst geht, weil das der Raum für gemeinsamen Beistand in einer schwie-rigen Situation sein kann.
Oder die Menschen gehen dahin, weil sie sich in der Masse aufgehoben und erhaben fühlen.
NH: Wann ist denn nun ein Gottesdienst notwendig?
MSD: Gottesdienste sind immer NOT-wendig! Es muss nur jemand im Gottesdienst sein, der die eigene Not spürt und das Gefühl hat, dass diese Not hier gelebt werden darf, ohne dass sofort reagiert wird.
Die „Wendigkeit“ entsteht bei dem, der in Not ist. Der Pastor macht in dem Fall nichts, außer zu halten und zu hören und zu begleiten.
Vielleicht so, wie der jüdische Theologe und Religionsphilosoph Martin Buber sagt: “Es ist in dieser Wüstennacht kein Weg zu zeigen; es ist zu helfen, mit bereiter Seele zu beharren, bis der Morgen dämmert und ein Weg sichtbar wird, wo niemand ihn ahnte.”
NH: Ich glaube auch, dass die Menschen sich sicherer fühlen, wenn sie erleben, dass nicht nur sie allein verwirrt, traurig oder wütend sind.
Ich selbst bin auch nicht traurig. Ich finde es ja eher erstaunlich, dass so etwas so selten passiert.
Und übrigens:
Den idealen Gottesdienst, den du da schilderst, möchte ich mal sehen! Vor allem im klassischen Gottesdienst. Der ist meiner Meinung nach doch eher darauf aus, zu deuten und zu erklären und nicht zu “halten und zu hören und zu begleiten”. Aber das ist ein anderes Thema …
Die großen Fenster in der Maria-Magdalenen-Kirche sind bedeutende Kunstwerke aus dem vorigen Jahrhundert. Während der großen Re-novierung der Kirche in den 70er und 80er Jahres hat der Kirchenvorstand gemeinsam mit dem Verein zur Ausgestaltung der Maria-Magdalenen-Kirche viel Geld aufgebracht, um durch diese Fenster neben einem bunten Farbenspiel auch eine bildhafte Darstellung des biblischen Glaubens sichtbar werden zu lassen. Hans-Gottfried von Stockhausen hat diese Fenster entworfen. Sie erzählen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament auf eine eindrückliche Weise.
Mit Hilfe des Vereins zur Ausgestaltung der Maria-Magdalenen-Kirche, wird nun eine 12-seitige Broschüre erstellt: Die Kunsthistorikerin Dr. Imke Lüders stellt darin die Fenster mit Fotografien vor und ordnet sie in das Werk des in diesem Jahr verstorbenen Künstlers ein.
Seit August ist Birte Hamann aus Wellsee in unserer Kirchengemeinde als Freiwillige im Sozialen Jahr tätig.
Niemand hat sie zu diesem Dienst verpflichtet: Kein Pflichtjahr und auch kein Ersatzdienst. Ihr freier Wille ist es, der sie schon seit ihrer Konfirmation in der Maria-Magdalenen-Kirche und auch in ihrer Schule hat ehrenamtlich arbeiten lassen.
Jetzt also ein Jahr lang jede Woche in einer vollen Stelle, d.h. 39,25 Stunden. Sie wirkt mit im Konfirmandenunterricht, bei der Durchführung der Projekte, auf Konferfreizeiten und in den Kindergärten.
Nach ihrem Schulabschluss will Birte Hamann weiterhin mithelfen in der Kirchengemeinde: „Die Konfis sollen erleben, dass Kirche nicht langweilig ist.“ Sie selbst ist ein gutes Beispiel dafür, dass Christen nicht langweilig sind. Sie ist sehr kreativ und humorvoll und ist dabei auch in der Lage, einem Menschen zuzuhören.
Dass das Projekt „fsj: Jugend für Jugend“ möglich wurde, verdankt die Trinitatisgemeinde vielen Sponsoren: Geschäftsleute und Privatpersonen, die solch freiwilligen Einsatz unterstützen wollen. Einer sagte: „Von solchem Engagement lebt unsere Gesellschaft. Das will ich unterstützen.“ Mehr als die Hälfte der Kosten (Taschengeld, Krankenkasse, Sozialversicherung) für den Einsatz sind auf diese Weise schon zusammen gekommen.
| Die Trinitatisgemeinde dankt:
Energieberatung Bernd Ehmke, Fleischerei Thorsten Reimer, Gebäudereinigung Guttau,
Dachdecker Maywald, Hansadruck, Physiotherapiezentrum Hubertus Laber,
BWB Nommensen, Zahnarzt Dr. Volker Storcks, Trockenbau Peteranderl, Heidemarie Mogs, Hans-Joachim Glate, Brunhilde Hansen, Evelin Mau, Fabian und Ghunne Gahr |
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Pastor Michael Szelinski-Döring
Der Sommer liegt hinter uns, der Herbst begrüßt uns mit Festen wie Erntedank und Reformation, aber auch mit dem Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag.
Der Herbst hat zwei Gesichter: Mal zeigt er sich freundlich mit Ernte und bunten Blättern und wunderbaren Herbstsonnenstrahlen, er kann uns aber auch unerbittlich im Griff haben mit seiner nassen Kälte, die durch alle Ritzen kriecht. Dann scheinen wir nicht warm werden zu können, müssen uns mit einer Decke aufs Sofa kuscheln, auch eine Wärmflasche wäre nicht schlecht.
Am liebsten hätten wir natürlich jemanden an unserer Seite, der uns von seiner Wärme etwas schenkt. „Auch wenn zwei beieinander liegen wärmen sie sich. Wie kann ein Einzelner warm werden?“ (Prediger 4,11)
Ja, zwei Liebende können sich gut wärmen in dieser nasskalten Jahreszeit. Ringelnatz schrieb einmal zu dieser Idee: „Ich hab dich so lieb! Ich würde Dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken.“ Ein etwas seltsames Bild. Aber doch sehr konkret diese Liebe. Eine heiße Ofenkachel zum Sich-dran-wärmen. Die kommt aus dem Innersten des Hauses. Die ist behaglich.
Nun mag man sagen, dass das ja alles schön und gut ist, aber nicht jeder oder jede jemanden an seiner Seite hat, um sich zu wärmen. Das trifft nicht nur die allein Lebenden. Auch bei Paaren, die zusammenleben, kann es durch die Jahre hindurch recht frostig geworden sein. Man wärmt sich nicht mehr, sondern wird kalt in der Nähe des oder der Anderen.
Von wem bekommen wir dann eine Ofenkachel geschenkt? Die Antwort lautet: von Gott. Diese heiße Kachel oder dieses Gusseisenstück aus dem Ofen ist ein Sinnbild für IHN.
Ich möchte mich dabei auf Martin Luther beziehen, der einmal eine perfekte Definition Gottes abgeliefert hat. Als er nämlich gefragt wurde, was Gott eigentlich ist, antwortete er: „Was ist Gott? Nun, Gott ist ein Backofen voll Liebe.“
In diesem Backofen entsteht die Liebe überhaupt erst, denn „Gottes Liebe ist nicht daran gebunden, nur das lieben zu können, was ihr als liebenswert entgegenkommt: Gott findet den Gegenstand seiner Liebe nicht vor, er bringt ihn hervor.“ Bildlich gesprochen backt Gott sich sein geliebtes Gegenüber also. Und an diesem Backofen voller Liebe kann sich jeder und jede von uns außerdem wärmen.
Also nehmen wir Gott in den nächsten Wochen doch mit auf unser Sofa, wenn uns kalt ist. Lassen wir uns einfach von ihm wärmen in den nasskalten Tagen des Novembers, egal ob uns allein oder in Gemeinschaft kalt ist: Gott ist ein Backofen voll Liebe. Er wärmt nicht nur den Körper, sondern auch unsere Herzen und Sinne.
Pastorin Sigrun König